Teil IV · Investieren · Artikel 13

Einzelaktien: Wann & wie du anfängst

Dies ist keine Anlageberatung. Einzelaktien sind riskanter als ETFs. Verstehe das Risiko, bevor du spielst.

Einzelaktien sind das aufmerksamkeitsraubendste Investment, das es gibt. Aber für die meisten Menschen: nicht nötig. Dieser Artikel zeigt, wann Einzelaktien Sinn machen — und wann du sie lassen solltest.

Die Statistik ist klar: 90 % der aktiven Anleger schlagen den Index nicht. Das bedeutet, wenn du Einzelaktien kaufst statt ETFs, hast du 90% Wahrscheinlichkeit, schlechter zu performen.

01Wann Einzelaktien Sinn machen

Du solltest Einzelaktien kaufen, wenn:

  • ✓ Du 20+ Jahre Börsen-Erfahrung hast
  • ✓ Du 10+ Stunden pro Woche recherchieren möchtest
  • ✓ Du die Psychologie von Käufen/Verkäufen verstehst
  • ✓ Du es dir leisten kannst, 100 % zu verlieren (auf diese Position)

Du solltest Einzelaktien NICHT kaufen, wenn:

  • ✗ Du unter 30 bist (nutze ETFs, du hast Zeit)
  • ✗ Du dich nervös bei -20% fühlst
  • ✗ Du nur 5–10 Stunden pro Monat Zeit hast
  • ✗ Du "schnell reich werden" möchtest (spoiler: funktioniert nicht)
„Einzelaktien sind nicht Investment, sie sind Hobby. Und teures Hobby."

02Das Best-Case-Szenario

Du recherchierst Apple. Fundamentals sind gut (Gewinn, Cashflow). Kurs ist fair. Du kaufst 10 Anteile à €150 = €1.500. Nach 5 Jahren ist der Kurs €250. Du verkauf für €2.500. Gewinn: €1.000 (67%).

Gleichzeitig: Ein ETF mit gleicher Anfangsinvestition würde mit 7% Durchschnittsrendite auf €2.100 wachsen (40% Gewinn).

Die Wahrheit: Apple war ein gutes Unternehmen UND ein glücklicher Trade. 90% der Einzelaktien-Picks sind nicht so glücklich.

03Die 5 größten Fehler bei Einzelaktien

Fehler 1: Zu viel Selbstvertrauen ("Ich finde die nächste Amazon")

Du denkst, du kannst besser als Profis recherchieren. Realität: Die Profis haben Bloomberg-Terminal, 10 Analysten, und trotzdem irren sie sich zu 50%.

Fehler 2: Zu emotional verkaufen

Du kaufst Apple bei €150. Kurs fällt auf €140 (-7%). Du bekommst Panik und verkaufst. Dann steigt es wieder auf €200. Psychological torture.

Fehler 3: Zu wenig diversifizieren

Du kaufst 3 Tech-Aktien. Tech-Crash -30%. Dein Portfolio: -30%. Mit ETF wäre es -5% gewesen.

Fehler 4: Timing versuchen

Du wartest auf einen "besseren Einstiegspunkt". Der kommt nicht. Du verpässt 5 Jahre Rendite.

Fehler 5: Hot Tips folgen

Dein Bruder sagt: "Kauf diese Startup-Aktie, sie wird 10x werden." Du kaufst. Sie geht auf 0. Du hasst deinen Bruder.

Die Wahrheit über Einzelaktien: Sie sind zu 80% Glück, zu 20% Skill. Und die Glückskomponente lässt sich nicht trainieren.

04Wie du anfängst (wenn du wirklich musst)

  1. Allokations-Regel: Max. 20% deines Portfolios darf in Einzelaktien gehen. 80% ETF.
  2. Auswahl-Methode: Kaufe nur Unternehmen, die du verstehst (Apple, Siemens, Allianz — keine kryptischen Tech-Startups).
  3. Research-Zeit: Mindestens 10 Stunden pro Aktie vor dem Kauf.
  4. Buy & Hold: Wenn du kaufst, halten für min. 5 Jahre. Nicht traden.
  5. Psychologie-Check: Wenn dich -20% Schweiß kostet, lass' es sein. Buy and hold ist nur was für Menschen mit nervlicher Stabilität.

05Blue Chips vs. Growth Stocks vs. Value Stocks

Blue Chips (Siemens, Allianz, SAP): Stabile große Unternehmen. Geringeres Risiko, geringere Rendite. Für Anfänger am sichersten.

Growth Stocks (Tech-Startups): Hohen Rendite-Potenzial, aber hohes Risiko. 50% Wahrscheinlichkeit, dass sie pleite gehen.

Value Stocks (Unterbewertete Unternehmen): Erfordert tiefe Fundamentalanalyse. Für Profis.

06Fazit: Einzelaktien sind optional

Meine klare Empfehlung:

  • Unter 40 Jahren: 100% ETF. Keine Einzelaktien.
  • 40–60 Jahren: 80% ETF, max 20% Einzelaktien (hobbymäßig)
  • Über 60 Jahren: 100% sichere Anleihen/ETFs. Keine Experimente mehr.

Nächster Artikel: Steuern & Freistellungsauftrag — Wie du Steuern sparest.

SM

Stephan Morgenstern gibt es dir ehrlich: Einzelaktien sind sexy, aber nicht nötig.